Leonardo mit der Kamera

Die Wissenschaft hat ein grundlegendes Problem. Sie will und muss mit der Gesellschaft kommunizieren, die sie finanziert. Bloss wie? Traditionelle Medien kürzen ihre wissenschaftsjournalistischen Budgets, weil ihre Geschäftsmodelle wanken, und junge Menschen nutzen Zeitungen, Radio und Fernsehen nur noch marginal. Die Wissenschaft ist dabei, den Kontakt zur Öffentlichkeit von morgen zu verlieren.

Das Forschungsprojekt «Leonardo multimedial« der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und der Berner Fachhochschule geht neue Wege: In mehrtägigen Praxislehrgängen will es junge, bildungsferne Menschen befähigen, multimediale Kurzreportagen aus Forschungslaboren und Hochschulinstituten zu drehen und in ihren eigenen sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Kollege Matthias Künzler und ich haben das Projekt auf der ScienceComm '17 in Solothurn vorgestellt und viele Kontakte geknüpft. Vom jungen Leonardo, dem wissbegierigen Filmer, wird noch einiges zu hören sein.


Die ScienceComm '17 im Landhaus Solothurn. (Bild: Valentina Rossetti)

Hacking Gutenberg

Der Schweizerische Kulturdaten-Hackathon, der dieses Jahr an der Universität Lausanne stattfindet, ist – obgleich erst drei Jahre jung – ein wichtiger Termin für Hacker und Forscher gleichermassen. Der Hackathon hat zum Ziel, gemeinfreie digitale Schätze der schweizerischen Gedächtnisinstitutionen (Museen, Bibliotheken, Archive, Galerien) zu heben und mittels ebenso nutzbringender wie kreativer Anwendungen zugänglich zu machen.

Nach meinen beiden bisherigen Hacks «Tarot Freecell» und «Manesse Gammon», die im Rahmen der ersten beiden Hackathons 2015 und 2016 entstanden sind, habe ich mir dieses Jahr – in Zusammenarbeit mit Elias Kreyenbühl von der Universitätsbibliothek Basel – die Typografie der Inkunabelzeit vorgenommen. Die Drucktechnologie des ausgehenden Mittelalters besass eine disruptive Kraft, die sich am ehesten noch mit jener des World Wide Web vergleichen lässt.


Elias Kreyenbühl (links), Thomas weibel.

Was immer Johannes Gutenberg vom Spielen gehalten haben mag: In meinem neuen Projekt «Gutenberg Memory» (Dokumentation im Wiki von Opendata Schweiz) wird das Schriftbild seiner Druckbibel von 1454/1455 sowie vier weiterer Inkunabeln und Postinkunabeln zur mnemotechnischen Knacknuss. Das Kinderspiel «Memory», auf einfache, einprägsame Optik angelegt, wird mit 40 Karten und der Selbstähnlichkeit Gutenbergscher Druckbuchstaben zur echten Herausforderung.


«Gutenberg Memory» (15./16. September 2017, Projektdokumentation)


«Manesse Gammon» (1./2. Juli 2016, Projektdokumentation)


«Tarot Freecell» (27./28. Februar 2015, Projektdokumentation)

Bachelors und Bachelorettes

Alle Jahre wieder: Jeden September verlassen 90 Studierende die Hochschule – als Bachelors und Bachelorettes of Science in Media Engineering, mit einem Joint Degree der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und der Berner Fachhochschule in der Tasche. Neben dem Verfassen einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit haben sie Lehrprojekte realisiert, die in die Medienzukunft weisen: Von der nichtlinearen Auslandsreportage über interaktive Infografiken bis hin zu veritablen Spielfilmen und Virtual-Reality-Welten. Die Videoteaser der diesjährigen Arbeiten wurden im TPC in Zürich einem Fachpublikum aus Medien und Kommunikation präsentiert. Und die Besucher kamen, sahen und staunten.

Wer's verpasst hat: Die Studierendenplattform Digezz hält alle Arbeiten parat. Für alle, die mitsehen und mitstaunen wollen.

TPC, Fernsehstudio 1, Zürich-Leutschenbach.

Ungezügelt


Larry Laffer: Illustration aus «Nerdcore»

Denken ist das Ordnen des Tuns. Ordnung macht uns erst zum Menschen: Sie bringt sinnstiftende Struktur ins naturgegebene Chaos. Das Ordnen von Gedanken und Handlungen, Gegenständen und Sachverhalten ist das Fundament des Erkennens. Ordnung aber verlangt Disziplin – und die ist nur um den Preis der Selbstüberwindung zu haben. Uns zu disziplinieren, mit dem Ordnen unseres Selbst niemals nachzulassen, zählt zum genetischen Code der Leistungsgesellschaft.

Disziplin, so lernen wir von Kindesbeinen an, ist der erste Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Dabei geht allzu gern vergessen, dass sich unsere Natur nur selten an menschengemachte Ordnung hält. So manchen Staatsmännern, Erfindern, Künstlerinnen, die sich Grosses abverlangt und die Grosses geleistet haben, waren Wesenszüge zu eigen, die sich keine Zügel anlegen liessen, und die sich dem tückischen, sprudelnden, lebensprallen Chaos verschrieben, das am Ende vielleicht mehr mit Triumphen zu tun hat, als unser puritanisches Erbe uns glauben machen will.

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Dieser Text entstand im Auftrag der LGT-Bankengruppe, Vaduz, und ist Anfang September 2017 im Magazin «Credo» erscheinen.

Larry Laffer, Radio SRF 2 Kultur, «100 Sekunden Wissen», 6. Februar 2010

 
 
 

Backgammon

Vor genau sieben Jahren ging sie online: meine eigene Version des Brettspielklassikers Backgammon. Das Spiel zählt zu den ältesten der Welt, und mein Ziel war es, Backgammon in einer robusten, auch auf mobilen Geräten funktionsfähigen Fassung zur Verfügung zu stellen. Weil HTML 5 noch in den Kinderschuhen steckte, programmierte ich das Game in dynamischem HTML 4.

Das Spiel verfügt über eine in Javascript geschriebene künstliche Intelligenz, und der Spielgegner mit den schwarzen Spielsteinen kann ziemlich aufsässig sein. Die doppelte Balkenanzeige unterhalb des Spielbretts zeigt die jeweils aktuelle Spielstärke an. Hals- und Beinbruch!


Backgammon: Illustration aus «Nerdcore».

Backgammon, Radio SRF 2 Kultur, «100 Sekunden Wissen», 10. Oktober 2010

 
 
 

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