Narrenschiff

Was hat unser Geld mit kapitolinischen Tempelgänsen zu tun? Wieviele Kakaobohnen zahlten die Azteken für einen Sklaven? Und weshalb waren die ersten Verkaufsautomaten des Teufels? Meine Lesung anlässlich des internationalen Literaturfestivals «BuchBasel» aus meinem Buch «Bare Münze» war durchaus dazu angetan, das Publikum zu erheitern. (Einem der Käufer, der mich anschliessend fragte, wieviel er denn nun am besten in Kakao investieren solle, musste ich allerdings eine Antwort schuldig bleiben.)


Lesung anlässlich des internationalen Literaturfestivals «BuchBasel» in der Buchhandlung «Das Narrenschiff». (Bild: Katharina Jeger)

And the winners are...

Jedes Jahr veranstaltet das Institut für Multimedia Production der Hochschule Chur das Multimediafestival. Die Bühne der Ambossrampe Zürich gehört dieses Jahr den herausragendsten studentischen Medienbeiträgen, die im vergangenen Jahr in meiner Modulfolge «Konvergent Produzieren» entstanden und auf der Medienplattform «Digezz» publiziert worden sind. Mal federleicht und heiter, mal hintergründig und erdenschwer: Die nominierten Projekte sind Multimedia at its best.

Die hochkarätige Fachjury – Martin Arnold, Rod Kommunikation AG; Renato di Rubbo, Franke Group; Angelo Zehr, SRF Data – war um ihren Job nicht zu beneiden. Sie hat ihre Wahl getroffen: Die Digezz-Awards des Jahres 2017 gehen an «Ich bin Escort», ein sensibles Porträt frei von jedem Voyeurismus, an «Wo bist Du?», einen One-Shot-Videothriller der Superlative, und an «Yona – the VR Game», eine bedrückende Dystopie, die das Blut in den Adern gefrieren lässt. Der Publikumspreis schliesslich geht an «Generationen im Wandel», eine Reihe nachdenklich machender Selbstreflexionen dreier Paare dreier Generationen.

Es sind Produktionen wie diese, die die Medienzukunft vorwegnehmen – und die mich als gestandenen Medienmann und Dozenten straunen und lernen lassen.

Prix Europa

Von 14. bis 20. Oktober findet im Haus des Rundfunks in Berlin zum 31. Mal der Prix Europa statt, das grösste europäische Medienfestival für öffentliches Radio, Fernsehen und Multimedia. Seit zwölf Jahren bin ich mit dabei, mal als Referent, mal als Liveblogger, fast jedesmal als Mitglied der Online-Jury. Meine ganz persönliche Shortlist der grossartigsten Multimediaproduktionen Europas wird lang und länger.

 


Prix Europa, Haus des Rundfunks, Berlin.

Ungezügelt

Denken ist das Ordnen des Tuns. Ordnung macht uns erst zum Menschen: Sie bringt sinnstiftende Struktur ins naturgegebene Chaos. Das Ordnen von Gedanken und Handlungen, Gegenständen und Sachverhalten ist das Fundament des Erkennens. Ordnung aber verlangt Disziplin – und die ist nur um den Preis der Selbstüberwindung zu haben. Uns zu disziplinieren, mit dem Ordnen unseres Selbst niemals nachzulassen, zählt zum genetischen Code der Leistungsgesellschaft.

Disziplin, so lernen wir von Kindesbeinen an, ist der erste Schritt auf dem Weg zum Erfolg. Dabei geht allzu gern vergessen, dass sich unsere Natur nur selten an menschengemachte Ordnung hält. So manchen Staatsmännern, Erfindern, Künstlerinnen, die sich Grosses abverlangt und die Grosses geleistet haben, waren Wesenszüge zu eigen, die sich keine Zügel anlegen liessen, und die sich dem tückischen, sprudelnden, lebensprallen Chaos verschrieben, das am Ende vielleicht mehr mit Triumphen zu tun hat, als unser puritanisches Erbe uns glauben machen will.

 


Oben: Winston Churchill (1874–1965), Amy Winehouse (1983–2011), Edgar Allan Poe (1809–1849).
Unten: Thomas Alva Edison (1847–1931), Anita Berber (1899–1928), Fjodor Dostojewski (1821–1881, von links).

Dieser Text entstand im Auftrag der LGT-Bankengruppe, Vaduz, und ist Anfang September 2017 im Magazin «Credo» erschienen.

Leonardo mit der Kamera

Die Wissenschaft hat ein grundlegendes Problem. Sie will und muss mit der Gesellschaft kommunizieren, die sie finanziert. Bloss wie? Traditionelle Medien kürzen ihre wissenschaftsjournalistischen Budgets, weil ihre Geschäftsmodelle wanken, und junge Menschen nutzen Zeitungen, Radio und Fernsehen nur noch marginal. Die Wissenschaft ist dabei, den Kontakt zur Öffentlichkeit von morgen zu verlieren.

Das Forschungsprojekt «Leonardo multimedial« der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur und der Berner Fachhochschule geht neue Wege: In mehrtägigen Praxislehrgängen will es junge, bildungsferne Menschen befähigen, multimediale Kurzreportagen aus Forschungslaboren und Hochschulinstituten zu drehen und in ihren eigenen sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Kollege Matthias Künzler und ich haben das Projekt auf der ScienceComm '17 in Solothurn vorgestellt und viele Kontakte geknüpft. Vom jungen Leonardo, dem wissbegierigen Filmer, wird noch einiges zu hören sein.

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