Emoji World

Das Projekt Confœderatio emojica fand in «meinem» sozialen Netzwerk Mastodon einigen Anklang, und ein Follower regte an, nicht nur eine Schweizer, sondern doch besser gleich eine ganze Weltkarte aus Emojis anzufertigen. Gesagt, getan: Hier ist Emoji World in Rektangularprojektion, bestehend aus 20 000 Emojis, einschliesslich Tag- und Nachtzonen in Echtzeit.

Emoji World: Eine Weltkarte aus 20 000 Emojis mit Tag-und-Nacht-Grenze.

 

Meton II

Ich habe lange gezögert. Mein Handwerk ist ein virtuelles: Ich entwickle Webapps, die Schweizer Bergipfel erkennen (Mont), Mondphasen simulieren (Meton) oder auch ganz einfach unterhalten (Mahjongg). Mein Handwerk ist nicht Konstruktion, Fräsen und Montieren, und von CAD wusste ich bis vor einem Jahr nur, dass es ein englisches Akronym für Computer-Aided Design ist.

Aber am Ende war die Neugier stärker. CAD gibt's als Open-Source-Software, Konstruktion ist vor allem Vorstellungskraft, und das Bauen besorgt der 3D-Drucker. Auf diese Weise entstand Meton I, der mechanische Rechner, der mithilfe der Astronomie der alten Babylonier verblüffend akkurat die Mondphasen ermittelt, für jeden beliebigen Zeitpunkt in Vergangenheit und Zukunft.

Und jetzt ist Schluss mit Plastik. Mein Mondrechner hat eine Materialität verdient, die der dahinter stehenden jahrtausendelangen Wissenschaftsgeschichte entspricht. Bühne frei für Meton II, meinen mechanischen Mondphasenrechner aus geöltem Eichenholz und mit einem Zahnradgetriebe aus Stahl.


Die Mondrechner Meton I und Meton II (3D-Druck bzw. Eichenholz und Stahl).

Und auch dieser Rechner ist noch nicht das Ende der Geschichte. Wohlan denn: Als nächstes also die Kleinserie.

Sündenbibel

Was in der Bibel steht, war zu allen Zeiten für viele Menschen Gesetz. Umso wichtiger, genau hinzusehen, was denn tatsächlich in der Bibel steht. Da gibt es zum Beispiel diese eine, gründlich missglückte, Bibelausgabe, die sogenannte «Sündenbibel». Mein neuer Beitrag auf Radio SRF 2 Kultur.

 

Tribute to Django

Auf den Tag genau vier Jahre ist es her, da hinterliess ich dem Freiburger Saxofonisten André Rossier eine Nachricht. Ob wir uns, wenn wir denn wegen pandemiebedingter Einschränkungen schon nicht proben konnten, gemeinsam eine Version von «Nuages» vornehmen wollten, einen Titel des belgisch-französischen Gitarristen Django Reinhardt (1910–1953).


(Bild: Patrick Caloz)

Und ob wir konnten. Hier ist unser Take, als vorweihnachtliches Geschenk an alle, die unter Jazz mehr als bloss einen Musikstil mit vier Buchstaben verstehen. A tribute to Django – Nuages (mp3, André Rossier ts, Willi Marti dr, myself b).

 
 
 
 
 
 

4:12

Werkzeug der Wissenschaft

Die Entwicklung der mechanischen Uhr im 14. Jahrhundert war ein Meilenstein der Geschichte, und am Anfang der technologischen Moderne steht das 1386 gebaute Uhrwerk der Kathedrale von Salisbury. So dachte ich, bis ich 2006 zum ersten Mal vom Mechanismus von Antikythera hörte. Dieser mechanische Kalenderrechner der alten Griechen, der auch als erster Computer der Menschheitsgeschichte apostrophiert wird, hat mich seither nicht mehr losgelassen, und im Laufe meiner Recherchen habe ich ihn in Virtual Reality (VR) und schliesslich, in reduzierter Form, sogar als mechanischen Rechner nachgebaut.


Die mechanische Uhr der Kathedrale von Salisbury (Detail), gebaut 1386, gilt als älteste der Welt.

Meine virtuellen und realen Nachbauten haben das Interesse der Wissenschaft auf sich gezogen, und ich habe meine Projekte an Kongressen in Amsterdam, Berlin, Istanbul, St. Pölten, St. Gallen, Zürich, Luzern und Bern vorgestellt. Nachbauten des Mechanismus von Antikythera sind dabei nicht nur Anschauungsobjekte für Archäologie, Geschichte und Astronomie, sondern auch leistungsfähige Werkzeuge zum Beurteilen aktueller Hypothesen: Mein Paper über diese wenig diskutierte Dimension von Web-VR ist bei arthistoricum.net (Universitätsbibliothek Heidelberg) erschienen.


Der
Mechanismus von Antikythera als Nachbau in Web-VR.

 

Confœderatio emojica

Kaum ein SMS kommt mehr ohne Emojis aus: Sie sind praktisch, lustig und manchmal schräg, und sie sind längst ein fester Bestandteil der Alltagskommunikation. Emojis sind sogenannte Ideogramme, eine Bilderschrift, deren Zeichen stilisierte Abbildungen sind. Mit ihnen halten Symbole Einzug in die geschriebene Sprache. Emojis machen es möglich, Nachrichten mit einer Kombination aus Buchstaben und Bildern zu verfassen, und sie erlauben eine metasprachliche Kommunikation, die es so in westlichen Sprachen zuvor nicht gab.

Nachdem ich mich lange mit Geografie beschäftigt und Webapps wie swisspeaX, Altiswiss und Mont programmiert habe, und da dank dem Projekt OpenMoji der Hochschule für Gestaltung Schwäbisch-Gmünd Tausende hochwertiger Open-source-Emojis zur Verfügung stehen, lag die Idee nahe, dem Beispiel mittelalterlicher Karten mit ihren einfachen topografischen Symbolen zu folgen und eine Emoji-Karte der Schweiz anzufertigen, die – die Zustimmung der User vorausgesetzt – auch gleich anzeigt, wo man sich gerade befindet. Et voilà: Confœderatio emojica.


Confœderatio emojica: Eine Emoji-Karte der Schweiz, Geolocation inklusive.

 

Apropos Emoji:

 
 
 
 
 
 

2:42

Dieser Beitrag (mp3) entstand im Auftrag von Radio SRF 2 Kultur und wurde am 19. November 2015 in der Rubrik «100 Sekunden Wissen» ausgestrahlt.

Mondmaschine

«The Moon Machine» heisst das Referat, das ich heute an der International Conference on Creative Media Technologies (IConCMT) an der Fachhochschule St. Pölten und letzte Woche am International Illustration Research Symposium «Apparatus» an der Koç-Universität in Istanbul gehalten habe – eine Reise, die 2011 mit meiner ersten Begegnung mit dem Mechanismus von Antikythera begann, die mich zu eigenen Visualisierungen in 2D und in VR und zum virtuellen Mondrechner «Meton» führte und die mit meinem eigenen mechanischen Mondphasenrechner vorläufig endet.

Ich war stets meilenweit davon entfernt, ein wie auch immer geartetes Zeichentalent zu entwickeln, doch die beiden Konferenzen haben mir klar gemacht, dass ich erstaunlicherweise trotz allem so etwas wie ein Illustrator geworden bin. Mögen meine interaktiven Ausflüge in die Wissenschaftsgeschichte, in die Archäologie und in die Astronomie auch im Kreis der wirklich begabten Künstlerinnen und Medieningenieure Verbreitung finden.


Vom Mechanismus von Antikythera zu meinem mechanischen Mondrechner «Meton»: Referat an der Koç-Universität in Istanbul. (Bild: Katharina Jeger)

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